Januar 2018
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 31 1 2 3 4

Aktuelle Termine

Keine Termine

Der 1. Mai ist Burgentag. Neben unserem jährlichen Fieldday steht dieser Termin als feste Aktivität unseres Ortsverbandes Wolfen (W28) im Terminkalender.Schloß Reinharz

So haben Andreas (DG0HAB), Gehard (DO4GDE) und ich (Jens, DM4JH) sich in diesem Jahr einer besonderen Herausforderung gestellt, der Erstaktivierung des Schlosses Reinharz (SAB-155). Das Schloss bietet gleich mehrere Highlights, die eine Aktivierung für uns attraktiv machten.

Schloß Reinharz liegt von Wäldern umgeben inmitten des größten zusammenhängenden Waldgebietes Deutschland, dem Naturpark Dübener Heide. Die wohl einzigartige Landschaft ist vom Massentourismus noch weitgehend verschont geblieben und versetzte uns in ihrer Ruhe und Abgeschiedenheit in längst vergangene Zeiten zurück. So ist die Anreise an sich schon ein Abenteuer, wer sich hier ortsunkundig nur auf sein NAVI verlässt, wird durchaus mehrere Kilometer durch einsame Waldwege geführt. Am besten gestaltet sich die Anreise über Bad Schmiedeberg auf der sehr gut ausgebauten und asphaltierten Reinharzer Straße.

Das in der Zeit von 1690 bis 1701 erbaute Barockschloss überragt mit seinem riesigen Turm schon von weitem die Bäume der Dübener Heide. Der Baumeister, Erbmarschall Heinrich Löser, ließ das Schloß als Wasserschloß mit einem großzügig umgebenen Park errichten, um den Fürsten und Kurfürsten eine würdevolle Unterkunft für ihre Jagden in den
Waldgebieten der Dübener Heide zu bieten.

Wie kommt aber so ein barockes Schloss zu einem solch einzigartigen Turm ? Des Rätsels Lösung liefert uns der Sohn von Heinrich, Hans von Löser. Sein für Adlige damals außergewöhniches Interesse an Astronomie, Mathematik und Naturwissenschaften führten dazu, dass er den Turm auf immerhin knapp 70 Meter aufstocken ließ. In dieser Höhe, fernab der Bodenturbulenzen, frönte er seiner Leidenschaft, der astronomischen Beobachtung. Was für mich besonders bemerkenswert ist, er errichtete auf Reinharz sogar die bedeutendste Optikwerkstatt seiner Zeit !

Natürlich sollte die Aktivierung ordentlich vorbereitet werden. Das Schloss befindet sich heute in Privatbesitz und so war es für uns selbstverständlich, langfristig den Eigentümer um ein Genehmigung unserer Funkaktivität zu bitten. In diesem Zusammenhang möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Frau Hönicke, Mitarbeiterin des Fördervereins Schloss Reinharz e.V., bedanken. Im Schloss eigentlich für Veranstaltungen und Führungen tätig, hat sie sich
für unser Vorhaben beim Besitzer eingesetzt, und so konnten wir sogar die schöne große Wiese direkt vor dem Schloss nutzen. Selbstverständlich gestalteten wir unsere Aktivität so, dass der schöne Park nicht in
Mitleidenschaft gezogen wurde.

Die Antennen, eine X30 für umgebene Relais und der bewährte Inverted V Dipol für Kurzwelle (80-10m) der letzten Jahre, waren schnell aufgebaut, das Wetter zeigte sich warm und sonnig, als wir die ersten QSOs aufnahmen und Punkte vergaben. Doch schon am Anfang zeigte sich die Tücke von Reinharz. Umgeben von Wald, war auf UKW für uns nur das 2 Meter Wolfen Relais erreichbar. Nicht einmal der Mobiltelefonempfang war möglich, so dass sich einige morgendliche Besucher erstaunt zeigten, wie wir mit unserem „Draht“ die Welt erreichten.

Das TeamErwartungsgemäß lösten wir mit unserem Anruf auf 40 Meter ein kleineres Pileup aus, aber wie in den anderen Jahren blieb alles sehr entspannt. Es sind für uns immer die netten Gespräche, diesmal sogar eine
interessante QRP-Station die mit 5W und kleiner Antenne ein super Signal bei uns erzeugte, die das Salz
in der Suppe ausmachen. Leider führte auch das an diesem Tag volle 40 Meter Band zu Engpässen, so dass uns von französischen Funkfreunden einfach die Frequenz „gestohlen“ wurde. Aber wir streiteten nicht und konnten so auch etwas Kaffee und Brote genießen.

Gehard (DO4GDE) hat an diesem Tag seinen ersten „Alleingang“ auf dem 2-Meter-Band gewagt und ebenfalls fleissig Punkte verliehen. Er hat sich als prima Operator in unserem Team bewährt.

Gegen 13 Uhr verdunkelte sich dann der Himmel und es begann zu donnern. Das heranziehende Gewitter
sorgte dafür, dass wir unsere Aktivität vorzeitig abbrechen mussten. Nach dem zügigen Einholen der Antennen mit Hilfe von Sören (DL2HQS) und Steffen (DO2AS), die ihre Aktivierung aufgrund des Wetters schon vor uns beendet hatten, ging der Regen auch schon los.

So mussten wir geduldig unter unserem Sonnensegel auf ruhigeres Wetter zum Abbau warten.

Trotz der kürzer als geplanten Aktivierung hat uns der Burgentag wieder sehr viel Spaß gemacht. Immerhin haben 43 Stationen deutschlandweit den Weg in unser Logbuch gefunden, alle erhalten natürlich wieder unsere schöne Sonder-QSL. Wie der Zufall es wollte, traf ich am Schloss meine langjährig bekannte, geschätzte und völlig durchnässte Kollegin mit ihrem Hund „Sunny“ (...der seinen Namen leider an diesem Tag nicht alle Ehre machte). Wir setzten uns dann noch in das wunderschöne „Café Graf Löser“ und probierten den lecker selbstgebackenen Kirsch- und Quarkkuchen.

73 de Jens DM4JH